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„Kinder- und Jugendarbeit geschieht um ihrer selbst willen“

Jugendreferats-Leiter Oliver Schwarz über das, was Kinder und Jugendliche brauchen

Jugendliche wollen mitbestimmen und verlässliche Beziehungen erleben, weiß der Jugendreferats-Leiter Oliver Schwarz, hier vor dem Logo der Ev. Jugend im Haus der Evangelischen Kirche in Paderborn. FOTO: EKP/HEIDE WELSLAU

PADERBORN/KREIS HÖXTER /LÜGDE (ekp/wels). „Bewegte Zeiten“ hat der Diplom-Sozialpädagoge und Diakon Oliver Schwarz seit seinem Dienstantritt als geschäftsführender Leiter des kreiskirchlichen Jugendreferats im November 2018 erlebt: Die 2013 eingeführte Satzung des Jugendreferates im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn wurde ausgewertet. „Jetzt stecken wir in Konzeptionsfragen und haben das Ziel, 2020 neue Modelle für eine zukunftsfähige Kinder- und Jugendarbeit im Kirchenkreis vorzustellen“, so der 49-jährige Bielefelder. Seine offizielle Diensteinführung durch Superintendent Volker Neuhoff wird am Samstag, 28. September, um 14 Uhr sein, im Rahmen des Gottesdienstes auf der 13. Jugendvollversammlung (JVV) der Evangelischen Jugend zum Thema „alles NEU“ in der Marienkirche Höxter. Im Anschluss wird zu Kaffee und Kuchen eingeladen.

Die Hauptaufgaben von Oliver Schwarz sind die Geschäftsführung, die jugendpolitische Vertretung und die Teamleitung: Fünf Jugendreferentinnen und Jugendreferenten arbeiten auf 3,75 Stellen. Hinzu kommt das Sekretariat. Die sogenannten „Juenger“ der Evangelischen Jugend arbeiten zurzeit mit einem Haupt- und Nebenbereich in einzelnen Kirchengemeinden und nehmen übergeordnete synodale Aufgaben im Kirchenkreis wahr. Zum Evangelischen Kirchenkreis Paderborn gehören 14 Gemeinden in den Kreisen Höxter und Paderborn sowie im lippischen Lügde.

„Das Team funktioniert gut: Es gibt gegenseitige Unterstützung und Teamgeist für eine gelingende Zusammenarbeit. Das überträgt sich auf die Ehrenamtlichen“, freut sich Oliver Schwarz. Das Jugendreferat, mit unter anderem seinem Büro, hat seinen Sitz im Haus der Evangelischen Kirche in Paderborn, Klingenderstraße 13. Dort laufen viele der Fäden der vielfältigen Arbeit für Kinder und Jugendliche zusammen. Wichtig ist außerdem der Synodale Jugendausschuss, der sich aus gewählten jungen Ehrenamtlichen aus den beiden Jugendregionen Paderborn und Höxter zusammensetzt. Er empfiehlt Personalentscheidungen und beschließt über die Auswahl von Kirchengemeinden, in denen Jugendarbeit besonders gefördert wird. Außerdem gibt es zweimal jährlich die Jugendvollversammlung, wo es ebenfalls um Mitbestimmung und aktuelle Themen geht. Ein Anliegen von Oliver Schwarz ist es, dass auch in den Gemeinden Strukturen etabliert werden, die Jugendliche stärker beteiligen und mitbestimmen lassen.

„Unsere Freizeiten in diesem Jahr sind alle ausgebucht. Hier und bei der Stadtranderholung übersteigt die Nachfrage das Angebot“, stellt Schwarz fest. Ein Highlight im Jahr seien die Konficamps für fast 300 Konfirmanden und mit rund 100 jungen ehrenamtlichen Teamern. Zu den Bildungsmaßnahmen gehören die JuLeiCa-Seminare. Aufgrund der wachsenden Nachfrage nach dem Erwerb der Jugendleiter-Card wurden 2019 zwei Kurse parallel durchgeführt.

„Wir erreichen mit unseren Angeboten weit über 1.000 junge Menschen im Kirchenkreis“, weiß Oliver Schwarz. Stationen, wo Kinder und Jugendliche hingehen können, bieten auch die zehn Häuser der offenen Tür im Evangelischen Kirchenkreis Paderborn mit ihrer offenen Arbeit. Alle Räume, die für die Kinder- und Jugendarbeit genutzt werden, sollten ebenso wie Räume für Erwachsene einladend, hell und freundlich sowie kinder- und jugendgerecht eingerichtet sein. Hier sieht der Jugendreferatsleiter auch in Kirchengemeinden noch Nachbesserungsbedarf.

„Kinder- und Jugendarbeit geschieht um ihrer selbst willen“ so Schwarz, „nicht um für Nachwuchs in den Kirchengemeinden zu sorgen.“ Ein attraktiver Event sei das eine, um Jugendliche zu begeistern. Daneben brauche es die Möglichkeit, etwas mitzugestalten und ein gutes, verlässliches Beziehungsangebot. „Hier ist dann auch Raum, existentielle Fragen stellen zu können, ernst genommen, gehört und mitgenommen zu werden“, weiß Oliver Schwarz, der bis 2018 sieben Jahre pädagogischer HoT-Leiter in Bielefeld-Ummeln war.

Was kommt? Für junge Ehrenamtliche werden neue Angebote und Projekte entwickelt. Hierzu gibt es einen Workshop auf der JVV und ein neues Seminar im Jahr 2020. Und es gibt das gemeinsame Projekt „Digitale Beteiligung“ von Evangelischer Jugend, BDKJ (Bund der Deutschen Katholischen Jugend) und HoT Borchen. Für die Zielgruppe Jugendliche soll es im November im HoT Borchen stattfinden.

Für den Kontakt mit der Jugend und ihre Beteiligung nutzt die Evangelische Jugend unter anderem Instagram. „Vieles läuft aber auch über persönliche Gespräche“, betont Schwarz.